Kosmologie, Physik, Universum, Wissenschaft

ACHTUNG, SÄBELZAHNTIGER! WIE DIE STEINZEIT DIE WISSENSCHAFT IM GRIFF HAT

Wer sich der Gruppe nicht unterordnet, der wird ausgestoßen, aus der gemeinsamen Höhle geworfen – und vom Säbelzahntiger gefressen!

Ja, diese einfache Formel galt wohl mal vor ein paar tausend Jahren fürs eigene Überleben. Wer alleine dastand, setzte sich damit einer existenziellen Gefahr aus. Gut, dass die Steinzeit vorbei ist!

Hm … ist sie das wirklich? Wenn ich mir die heutige Wissenschaft so anschaue, erkenne ich da durchaus noch ein paar neolithische Züge …

Mächtige Gruppen in der Wissenschaft

Auch in der Wissenschaft – in der Kosmologie, Physik, Astronomie und vielen anderen Gebieten – finden Sie Gruppen, in denen sich die einzelnen Neandertaler zusammenschließen. Sie nennen sich Fachgebiete oder „Experten“ eines Paradigmas.

Nehmen Sie beispielsweise die Kosmologie: Das derzeitige anerkannte „concordance model“  herrscht dort über die Datenauswertung. Die Analyse der modernen Großexperimente ist viel zu komplex, als dass sie aus einem alternativen Blickwinkel in kurzer Zeit wiederholt werden könnte. Man müsste eine Vielzahl von versierten Wissenschaftlern zur Verfügung haben, um hier eine Chancengleichheit bei der Datenauswertung herzustellen.

Die Mainstream-Kosmologie ist mächtig und bietet ihren Gegnern und Fressfeinden locker die Stirn. Schön – für ihre Anhänger zumindest.

Kein Platz für neue Ideen

Trotz einiger vielversprechender Ansätze krankt die Wissenschaft in vielen Bereichen an diesem Gruppendenken. Solange ganze Fachgebiete, die einem bestimmten Paradigma der Interpretation folgen, alleinigen Zugriff auf die Daten haben – nebst den Ressourcen, diese auszuwerten –, ist es völlig illusorisch, dass eine radikale neue Idee auch nur die Chance hat, geprüft zu werden.

Wer mit neuen Ideen um die Ecke kommt, passt nämlich nicht in die Gruppe und wird direkt den Säbelzahntigern zum Fraß vorgeworfen. Das steinzeitliche Gruppendenken in der Wissenschaft verwehrt es dem Einzelnen geradezu, die gemeinsame Arbeitsgrundlage auch nur im Geringsten infrage zu stellen.

Damit ist kein explizites Verbot gemeint, sondern ein psychologisches, oft sogar unbewusstes Phänomen. Kaum jemand wird in einem Saal mit fünfhundert Wissenschaftlern einem Vortrag lauschen und gleichzeitig zweifeln, ob das Thema des Vortrags überhaupt einen Sinn ergibt. Die Vorstellung, nicht mehr dabei sein zu dürfen, beeinflusst die Urteilskraft. Der Säbelzahntiger wartet schon um die Ecke auf von der Gruppe verstoßene Individuen …

Der Traum vom selbstständigen Denken

Doch wie soll die Wissenschaft funktionieren, wenn niemand mehr wagt zu denken, was die Masse als undenkbar erachtet?

Würden sich mehr Einzelpersonen aufrichtig ihrer Wissenschaft verschreiben und eigenständig denken – ich glaube, das hätte uns so manche moderne Absonderlichkeit wie die Stringtheorie oder immer noch größere Teilchenbeschleuniger erspart.

Ich bin gespannt, wann die Wissenschaft nicht nur körperlich den aufrechten Gang perfektioniert, sondern auch geistig so weit ist, dass Einzelne keine Tiger mehr fürchten müssen, wenn sie eine Idee abseits des Gruppendenkens äußern.

Vielleicht sollte ich diese Traumwelt an meine Höhlenwand malen …

6 Gedanken zu „ACHTUNG, SÄBELZAHNTIGER! WIE DIE STEINZEIT DIE WISSENSCHAFT IM GRIFF HAT“

  1. Lieber Alexander Unzicker,

    Ihrer bildhaften Beschreibung der „Steinzeit-Verhältnisse“ möchte ich – Sie verstehen ja Spass – folgenden Spass von Monty Python zur Seite stellen unter der Überschrift „Alexander Unzicker bei etwas übelgelaunter Beanstandung des toten Theorie-Vogels in der Wissenschaftsgemischwarenhandlung“:
    https://www.youtube.com/watch?v=ZRh-dyCskxE
    Man beachte besonders den Todesbeweis durch Vorführung des Gravitationseffektes !

    Herzliche Grüße, bin noch beim Lesen des „Schlüssels“

  2. Hallo Dr. Unzicker,
    aus dem Beitrag lassen sich unendliche philosophische Betrachtungen ableiten. Fakt ist, der heutige Mensch ist in seiner Existenz auf die Gemeinschaft angewiesen. Das bringt letztendlich leider auch gewaltige negative Erscheinungen mit sich, einschließlich der Tatsache, dass er seine natürlichen Lebensgrundlagen zerstört. Und ich kenne leider auch kein Rezept, das zu ändern.

    Sie schreiben: „Die Analyse der modernen Großexperimente ist viel zu komplex, als dass sie aus einem alternativen Blickwinkel in kurzer Zeit wiederholt werden könnte. Man müsste eine Vielzahl von versierten Wissenschaftlern zur Verfügung haben, um hier eine Chancengleichheit bei der Datenauswertung herzustellen.“

    Zur Datenauswertung gehören neben den Daten, die man verwertbar bekommen müsste, natürlich die erforderlichen Superrechner und die entsprechenden Programme. Die haben Sie nicht. Und mit wem wollen Sie die Datenauswertung denn durchführen?

    Mir hat bei meinem Hobby geholfen, wenn ich mich 1. in die funktionale Schiene begeben und mich 2. in der Erkenntnispyramide so weit wie möglich oben bewegt habe.

    Ein (wie immer hinkendes) Beispiel: Ich muss, wenn ich mich mit dem Thema Wüste beschäftige, nicht Daten zu jedem Sandkorn erfassen und daraus die entsprechenden Berechnungen über Supercomputer ausführen. Ich muss mit 1 Sandkorn, 1 Düne und 1 Wüste auskommen.
    Auf keinen Fall darf man die Wüste einseitig betrachten, schon gar nicht nur mathematisch!

    Mit freundlichen Grüßen
    Joachim Blechle

    1. Naja, es gibt schon Alternativen, wie man mit den Daten umgehen kann.Am Ende des Buches „Holzweg“ (auch auf der Website) gibt es dazu ein 10-Punkte-Programm…

  3. Hallo Leser,
    Das Thema des Blogs kann man für die Populärwissenschaft-liche Ebene leider auch nur bestätigen. Wer einmal versucht hat auf elementare Fragen zur Kosmologie in der aktuellen Literatur, auf web-Seiten oder in Videos und Fernsehsen-dungen Erklärungen zu finden, stellt erstaunt fest, dass es praktisch keine Informationsquelle gibt, die nicht die aktuellen Spekulationen des Standartmodells eingearbeitet hat und voraussetzt. Das heißt für unzählige Fragen gibt es keine gesicherten und ungefärbten Informationen. Wer dann noch weiß auf welche dünnem Eis die meisten Postulate stehen und mit welch offensichtlichen Widersprüchen sie behaftet sind, der kann es kaum glauben, dass das der letzte Stand der Wissenschaft sein soll. Wohl doch eher der
    „aktuelle Stand des Irrtums“. Wer Physik wieder als spannende Entdeckung überprüfbarer und elementarer Grundlagen der Wirklichkeit verstehen will, dem sei das Buch „Einsteins verlorener Schlüssel“ empfohlen. Nicht trivial, aber so nachvollziehbar und mit so überraschenden Entwicklungsschritten und Konsequenzen, dass sich das durcharbeiten und hinterfragen absolut lohnt. Die Fragen die bleiben haben dann wieder Grundlagen, Richtung und Sinn.

    Bernd Dujka

  4. Planetenoberfläche = 4 pi r²
    F = G*m1*m2/r²
    G? wo sind die 4pi?!?!
    Die Elektrostatische Anziehung
    F = ( 1/4 pi epsilon0 )* Q1*Q2/r²
    Radio, Computer, Cern Funktionieren
    ??? F = Epsilon *Q1*Q2/r² dann auch noch ????

    1. Sie müssen Ihre Frage ein bisschen klarer ausdrücken. Die der Gravitation entsprechende analoge Konstante im Coulumbgesetz ist 1/4 Pi eps_0.

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